
Nachdem einige gefragt haben, was ich denn nun gesagt habe, hier ein paar Gedanken...
Die Kreuzzüge beginnen in einer Zeit, als im Islam die Seldschuken die Führung übernehmen und offenbar weniger Toleranz gegenüber christlichen Pilgern zeigen,. Zugleich erlebt das Abendland seine erste große Blütezeit, der Wohlstand nimmt zu, es werden religiöse Aufbrüche verzeichnet - und Papst Urban II,. ruft zum Kreuzzug auf: Die Heiden haben das Heilige Land in ihrer Gewalt, Brüder werden dort unterdrückt. Die christlichen Ritter werden beid er Ehre gepackt, Christus als ihrem Gefolgsherren zu dienen und sein Land wieder in Besitz zu nehmen. Von den 300.000 Kreuzfahrern kommen zwar nur ein paar Zehntausend an, aber sie erobern Jerusalem und errichten diverse christliche Königreiche. Furchtbare Gemetzel finden statt. Scheußlich. Unchristlich.Empörend. Das Ganze endet in einem Fiasko, nach 200 Jahren sind die Besitzungen wieder verloren. Das Abendland hat sich selbst und die Welt besser kennen gelernt. Glaubenszweifel herrschen.
Nahezu zeitgleich beginnt die Kirche gegen "Ketzer" und "Zauberer" vorzugehen, die Inquisition (von lat. Befragung) forscht nach Abweichlern: Ketzern, Juden, Hexen. Staat und Kirche arbeiten zusammen: der Staat unterwirft die VErdächtigen der Folter, die Kirche stellt die Fragen und stellt den Glauben fest - oder meist nicth. Die Verurteilten werden verbrannt, um die Seele zu retten. An der Schwelle zur Neuzeit werden die Handbücher zur Hexenjagd veröffentlicht (1487 Hexenhammer). Besonders gegenüber Frauen sind die Inquisitoren barbarisch und gemein.
Fragt man nach den Hintergründen für die Hexenjagd, so sehen viele hier die Vorstellungen germanischer Religiosität am Nachwirken: Die alten Götter sind nicth aus den Denkhorizonten vertrieben worden, sondern bleiben als dunkle Kräfte da. Erst die Aufklärung bereitet dem ein Ende. Eine ungeheuerliche Blutspur zieht sich bis an das Ende des 18. Jh.
Gewalt im Zeichen des Kreuzes?
Der Hahn auf den Kirchdächern sind zunächst einmal auch ein Symbol für unsere Schuld als Christen, dass wir die Aufforderung zur Feindesliebe und zur Gewlatlosigkeit nicht gehört haben. In der wahnwitzigen Vorstellung, Jesus zu dienen, haben Christen das anderen angetan.Dahinter wird ein anderer Glaubensbegriff sichtbar: Glaube wird als Zustimmung zu einer objektiven Wahrheit gesehen, der Leugnung nun aus Bosheit geschehen kann, wie etwa die Zustimmung zum Satz des Phytagoras. Die objektive Wahrheit der Gemeinschaft hatte Vorrang vor der subjkektiven Überzeugung des einzelnen. Wenn Glaube aber von innen, aus dem Herzen kommt, den Verstand duirchdringt und zur Tat wird, dann kann man diesen nicht verobjaktivieren. Das können wir ja auch beim Umgang Jesu mit Andersdenkenden sehen, der niemals Gewalt anwendet, sondern verkündet und Fragen stellt.
Mit der Aufklärung haben wir Diesseits und Jenseits getrennt, die Menschen halten sich an das, was in Raum und Zeit ist - Geister und Hexen haben hier keinen Platz. Die Geister- und Wunderwelt des NT sollte entmythologisiert werden. Aber - auch wenn sich das Weltbild verändert hat, so gibt es doch Anhaltspunkte dafür, dass es mit der Trennung von Jenseits und Diesseits so leicht nicht ist. Glaubnen wir doch als Christen an einen Gott, der Fleisch geworden und zu uns gekommen ist. In Jesus ist er anschaubar, erfassbar, nahe. Aus der Ewigkeit hat Gottes Licht in die Zeit hineingeleuchtet...
Hier helfen mir Hinweise aus der Dogmatik von Thomas Weißenborn: Ausgehend vom Weltbild des NT zeigt er, wie die Antike Mächte als Willensverdichtungen, ja Persönlichkeiten gefasst hat, die in Diesseits und Jenseits zu Hause gewesen sind. Was wir heute als abstrakte Größen sehen wie Krankheit, Mammon, Macht oder Staat sah sie alös personale Mächte, wie auch den Teufel, Engel und Dämonen. Eine Annäherung zu diesem Denken ist die Besinnung über die Muse. Wenn wir eine Predigt vorbereiten oder uns etwas Kreatives für den Unterricht einfallen lassen wollen, dann merken wir, dass es manchmal einfach nicht läuft. Alles Nachdenken hilft nciht, es stellt sich nix ein. An anderen Tagen läuft es dagegen wie geschmiert, man arbeitet "wie besessen" an etwas. Das Beispiel der Muse (für die Antike auch so eine "Macht") zeigt, dass wir nicht imemr voll über uns selbst verfügen können, es zeigt uns, dass wir doch nicht so ganz diesseitig sind (im Bilde gesprochen). Vielleicht haben wir auch schon einmal erlebt, dass wir etwas Böses tun, was wir nixcht nur hinterher bereuen, sondern dass wir auch gar nicht gewollt haben. Und doch haben wir es getan. Was war da los? Hier nähern wir uns der Vorstellung der "unreinen Geister", von denen im NT so oft die Rede ist: Der besessene Gerasener (Mk 5) zeigt zunächst übermenschliche Kräfte, niemand wird seienr Herr, die ganze Gegend leidet unter ihm, Genaui dorthin fährt Jesus mit dem Boot - zielgerichtet. Und er begegnet dem Gerasener, treibt die unreinen Geister ("Legion") zurück und heilt den mann, der danach wieder "ganz normal" ist. So ist das also mit dem Bösen, es stellt eine Macht dar, die uns verführen will - und vielleicht lassen wir das auch zu. Abr Gott ist der Herr, Jesus hat gesiegt. Die Macht des Bösen ist sehr begrenzt, in Jesu Namen können wir uns leicht erwehren!!!
Deshalb gibt es hier für uns keine Kompromisse: Jesus ist der Sieger und Herr.
Das mit dem Ende der Kreuzzüge, die Ketzerverfolgung beginnt finde ich spannend. Ich hab das immer als getrennte verirrungen der Kirche gesehen, das da ein zusammenhang ist, drängt sich jetzt quasi auf, nachdem du es erwähnt hast. Mich würde Interesieren ob ketzerei vermehrt aufgetreten ist, weil man eben die Welt besser kennengelernt hat. Oder ob ketzerei einfach mehr beachtet wurde aus unsicherheit.
AntwortenLöschenJa, das siehst du richtig: In der Zeit, als die Kirche den Höhepunkt der Macht und des Einflusses im Abendland erreicht, drängt sie die anderen raus, gehen mit Gewalt gegen sie vor. Ob Ketzerei vermehrt aufgetreten ist, glaube ich noch nicht einmal. Die Geschlossenheit war größer, die Aufmerksamkeit, aber auch die Offenheit für Religion wird größer - manches war noch nicht mal wirklich ketzerisch. Und dann ging man auch gegen "Sexualität" und Frauen vor - wegen der Anziehung, die auf die zölibatären Männer von ihnen ausging... Und weil sie das nicht steuern konnten, empfanden sie das als böse: und ohne es zu merken, wurden sie selbst böse...
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