Samstag, 21. November 2009

Mauern

Wir freuen uns in Deutschland darüber, dass die Mauer in unserem Land gefallen ist, äußerlich gibt es sie nicht mehr, auf andere Weise gibt es sie noch und wir werden sie in unseren Herzen noch niederreißen müssen (besonders wenn wir vor 1980 geboren sind). Solche innere Mauern erscheinen viel fester gefügt, vielleicht arbeiten wir auch nicht so fleißig und hartnäckig wie einst die Mauerspechte, die mit Hammer und Meißel der Mauer auf den Pelz rückten.
Vor 2400 Jahren träumten Menschen davon, eine Mauer aufzurichten. Die einen suchten eine verlässliche Mauer gegen die Feinde im Süden des Reiches. Damals baute man dort noch keine Mauer an der Grenze entlang, sondern befestigte Städte so stark, dass ein feindliches Heer sie nicht so leicht erobern konnte. Dann konnten die feindlichen Heere zwar vorbeiziehen, mussten aber immer damit rechnen, dass die befestigten Orte ihren Nachschub bedrohten oder sonst Ärger machten. In unserem Fall beschäftigte der Perserkönig sich intensiv mit einer Abgrenzung gegenüber Ägypten. Die anderen, die damals von einer Mauer träumten, waren die Juden, die von den Babyloniern 587 aus ihrer Heimat verschleppt worden waren und die nun einen Ort der Identifikation suchten, der sicher sein sollte. Für alle Juden war das die Heilige Stadt Jerusalem, wo einst der Tempel Salomos stand und wohin einige Tausend von ihnen nach dem Befehl des Perserkönigs Kyrus zurückgekehrt waren. Aber nach einem euphorischen Beginn war das Werk ins Stocken geraten, Intrigen und Misstrauen hatten schließlich dazu geführt, dass die Stadt noch nicht befestigt war, auch wenn die Opfer wieder aufgenommen worden waren. Einer der Träumer war Nehemia, ein Jude in leitenden Ämtern im Palast des persischen Königs. Er wusste: Für einen Neuanfang brauchen die Juden die Mauer, die der Bevölkerung Rückhalt und Sicherheit geben kann. Als er von der Lage in Jerusalem hört, ist er zutiefst angerührt, Schmerz erfüllt sein Herz, denn seinem Volk geht es nicht gut, so kann es Gott nicht wirklich dienen, so ist der Gottesdienst bedroht wie die Stadt. Nun hätte er das zwar auch als Chance begreifen können, ganz in der gnädigen Abhängigkeit Gottes zu sein und auf seinen Schutz zu hoffen. Aber durch die Nachricht wird er zu einer anderen Einsicht geführt: Die Mauer muss wieder aufgebaut werden, damit wir Gott wieder ungestört dienen können. Nun betet er nicht für Gottes wundersame Eingreifen, dass eine Mauer wachsen möge. Er betet nicht für die Erweckung eines mächtigen Baumeisters oder eine politische Unabhängigkeit des Landes. Nehemia bekennt vielmehr Gott die Sünden seines Volkes und die seiner Familie - und bitte Gott um seine gnädige Wiederannahme, wie Gott selber es in der Bibel verheißen und versprochen hat. Und dann betet er, was er als seinen Weg von Gott erkennt: Lass mich Gnade finden bei dem Perserkönig, denn Nehemia ist der Mundschenk des Königs (Neh 1,11).
Nehemia genügt es nicht, dass er sein Schäfchen ins trockene gebracht hat - er setzt sich für sein Volk und seinen Gott ein. Und nach mehr als drei Monaten des Gebets (von Nov/Dez bis Mrz/Apr) kommt der KAIROS: Der König bemerkt Nehemias Trauer, er lässt ihn - den Mann seines Vertrauens - ziehen, um die Mauern aufzurichhten, gibt ihm die nötigen Papiere und Soldaten mit, zum Schutz auf der Reise und zur Durchsetzung der königlichen Aufträge, wenn es zu Verzögerungen kommt. So erreicht der Perserkönig sein Ziel: Eine sichere Grenzfestung im Süden, aufgebaut und organisiert von seinem Mundschenk, dem er seit Jahren täglich sein Leben anvertraut hat. Und Nehemia darf die Mauer bauen, von der er sich so viel verspricht. Zwei Träume gehen in Erfüllung, Gott macht Geschichte. Natürlich gibt es Schwieirgkeiten, Widerstände und Sorgen - aber am Ende gelingt das Bauwerk. Die Mauer von Jerusalem wird wieder aufgebaut, als Grenzbefestigung einer persischen Provinz ist die Stadt nun sicher. Und Nehemia wirkt als Stadthalter nicht nur als Mauerbauer, er organisiert das Leben seines Volkes in der multikulturellen Gesellschaft seiner Zeit, betreibt Sozialpolitik durch Sklavenbefreiung und Schuldenerlass, motiviert zum Einsatz für den Mauerbau und den Gottesdienst.
Wer hat Träume? Wo rührt Gott unser Herz an? Was können wir tun, um Gott zu dienen, Menschen zu helfen? Geborgenheit zu schenken? Gesellschaft zu transformieren. Reich Gottes zu bauen?

Montag, 9. November 2009

Vertreterkonferenz

Heute hatten wir unsere Vertreterkonferennz für das Frühjahr 2010 bei Francke. Im Verlagsgeschäft ist die Präsentation des neuen Halbjahresprogramms ein echter Höhepunkt, der mit sehr großem Aufwand verbunden ist. Alle Bücher haben dann bereits ein Cover, die Werbung steht usw.
Oft haben die Vertreter noch ziemlich gute Ideen, denn sie besuchen ja die Kunden und bieten eine wichtige Reflexion von außen. Nun kann ich sagen: Wir haben wieder ein starkes Programm mit sehr guten Romanen, ein paar sehr interessanten Biografien und Sachbüchern. Bei den Romanen haben wir wieder zwei neue Autoren, die vielversprechend sind. Das hat sich in den letzten Jahren meist bewährt: Francke prüft sehr kritisch neue Autoren und die, die dann kommen, sind empfehlenswert und verkaufen sich auch gut. Bei den Biografien haben wir zum einen eine Zeitgenossin, Gräfin Daisy von Arnim, dessen Leben wir beschreiben, zum anderen bringen wir das ergreifende Tagebuch der Nonna Bannister, die als Mädchen in Russland den deutschen Einmarsch mitmacht, in Kassel als Zwangsarbeiterin arbeitet und von Nonnen versteckt wird, so dass sie die grausame Zeit überlebt und nach USA auswandern kann.
Im Bereich der Sachbücher haben wir mit Thomas Weißenborns Buch über die Konsumgesellschaft (siehe letzter Post) einen starken Titel, daneben bringen wir eine Hilfe für Gemeinden von Johannes Stockmayer heraus. Daneben haben wir wieder sehr anspruchsvolle Andachts- und Geschenkbücher. Der Geschenkbuchmarkt bringt ja ungeheuer vieles auf den Markt. Francke stellt die Botschaft und den kleinen Preis in den Mittelpunkt: Das Evangelium muss in die Welt, deshalb gibt es uns, deshalb machen wir Verlagsarbeit.
Spannend war für mich der Auftritt unserer neuen Lektorinnen, die alle überzeugt haben. Nachdem zunächst vor allem Anne die Lektorenarbeit gemacht hat, sind mit Kathrin Schulheis (als Nachfolgerin für Conny Rohleder), Tabea Klaus und Steffi Baltes nun die doppelte Anzahl von Lektorinnen tätig. Diese Erweiterung zahlt sich für unsere Qualität sicher aus...

Sonntag, 8. November 2009

Christsein in der Konsumgesellschaft

Thomas Weißenborn hat sein neues Buch unter diesem Titel veröffentlicht. Ich hab es nun zum dritten Mal gelesen und bin immer noch sprachlos. Was im Untertitel als "Nachdenken über eine alltägliche Herausforderung" recht unscheinbar daherkommt, erweist sich als Sprengkörper, wenn man das Buch konsumiert, also liest.
Im ersten Teil geht es um die Spiritualität des Konsums. Der moderne Mensch strebt seit der Aufklärung Freiheit von den Zwängen an. Die Marktwirtschaft lebt vom freien Spiel der Kräfte, die aber im globalen Markt nicht mehr überschaubar sind: Wir wissen weder wie und wo etwas hergestellt wird noch von den Bedingungen, unter denen das geschieht. Für viele ist das System nicht fair, wie nicht zuletzt unsere gegenwärtige Wirtschaftskrise (Banken, Opel, Nokia, Quelle) zeigt. Alles dreht sich nur noch um Vermehrung des Kapitals, der Mammon regiert. Die Wertschöpfung geschieht durch Ressourcenverbrauch ohne Rücksicht auf deren Endlichkeit. Es geht nur um Konsum, wodurch angeblich Werte erworben werden: Sinn, Identität, Identität. Ohne echte Heimat und Beziehungen.
Im zweiten Teil geht es um den Konsum der Spiritualität. Die Konsumgesellschaft hat auch das Christentum erfasst, auch hier scheint sich alles um Wachstum (Zahlen!) und Wertschöpfung zu drehen: Auch gemeinden machen ein "Angebot" auf dem "Markt der Möglichkeiten". Vielfach redet man vom "freien Willen", man betont das persönliche Reden Gottes zum einzelnen, das dies zum Erlebnis macht. Das religiöse Bedürfnis des Individuums wird befriedigt, Glaube wird zum religiösen Erleben. Entsprechend unterbreiten Gemeinden den Kunden ein breites Angebot. Diese Konsumgüter verbrauchen sich jedoch schnell. Dazu wird die Bedeutung des Indiviuums gestärkt: Jeder ist einzigartig, und damit sind alle gleich. Was geschieht aber mit dem Heiligen, das aus der Masse herausragt? Im konsumorientierten Christentum wird das Heilige zum Verbrauchsgut, die Gemeinschaft schwindet, Leiden und Tod werden an den Rand gedrängt.
Im dritten Teil geht es dann um die Spiritualität gegen den Konsum. Zwar ist es leichter, mit dem Strom zu treiben, aber das kann nicht unser Auftrag sein. Neben den verschiedenen Alternativen kann es nach Weißenborns Auffassung nur den offenen Widerstand geben, wie es uns die ersten Christen im heidnischen Staat vorgemacht haben. Jesus hat die Christen in der Bergpredigt zum bewussten Widerstand aufgerufen, indem die herrschende Ordnung als falsch offenbart wird. Paulus vereinnahmt Röm 13 den heidnischen Kaiser zur von Gott eingesetzten Ordnungsmacht. Loyalität gilt im Zweifel nur Jesus als Herren, nicht dem Kaiser. Wie der Eph deutlich macht, kämpfen wir nicht gegen "Fleisch und Blut", sondern die Mächte (Systeme) dieser Welt. Was bedeutet das? Mit jedem Kauf stärken wir das System. Mancher Konsum muss sein, weil er lebensnotwendig ist. Oft ist er aber überflüssig und soll nur unseren Status heben. Daher gilt es zu überlegen, was wir kaufen. Im Hintergrund wissen wir um die Offenbarung Gottes als Schöpfer der Welt, dem wir unendlich klein gegenüberstehen. Aber Gott will uns nahe sein, wurde in Jesus Mensch und möchte mit uns sein Reich bauen: Hier sollen wir Orte der Heiligkeit sein und uns zu alternativen Strukturen zusammenschließen. Daher verbünden wir uns mit Gott, mit anderen Menschen und der Schöpfung. Wir üben Verzicht, informieren uns über Umwelt- und Sozialstandards. Wir verbreiten die Heiligkeit durch Mission über diese Welt. Das geschieht vor allem durch Liebe und Hingabe, denn Geben ist seliger als Nehmen....
Ein spannendes, anregendes Buch...

Samstag, 7. November 2009

Zeit- und Lebensmanagement

Ist das Leben planbar? Natürlich nicht, aber je länger, je mehr erkenne ich, dass vieles doch unter Gottes Führung und Bestimmung läuft. Dafür kann man eigentlich nur dankbar sein und es ist gut, dass man von Zeit zu Zeit darüber reflektiert und Gott dankt. Überhaupt ist Reflexion sehr wichtig. Für mich habe sich zwei Fragenkreise herauskristallisiert, die mir immer wieder eine große Hilfe sind. Zum einen ist das die Frage nach der VISION: Bewege ich mich im Rahmen meiner Vision? Diese Vision gründet in meiner Beziehung zu Gott und seiner Führung. Bin ich da, wo er mich hingeführt hat? Bin ich immer noch richtig, oder will Er längst weiter? Tue ich das, wozu Er mich beauftragt hat? Kann ich meine Gaben einsetzen? Bin ich insofern effektiv?
Die andere Frage dreht sich um die LEBENSAUFGABEN, um die Rollen, die ich übernommen habe. Jemand hat einmal von den Lebenshüten gesprochen. Passen mir die Rollen noch? Werde ich ihnen gerecht? Welche Hüte habe ich mir selber aufgesetzt und warum? Welchen Hut trage ich aus Berufung, werde ich den Anforderungen gerecht oder muss ich mehr investieren - und woher kommt das mehr? Was kann und soll ich lieber lassen?
Lebenshüte und Lebensvision gehören natürlich zusammen, sind nicht ganz streng zu trennen. Wenn ich als Leiter des mbs eine Baustelle im Reich Gottes leite, habe ich da den Hut als verantwortlicher Leiter auf. Aber das Leben bestehtt nicht nur aus ARBEIT, sondern auch aus Familie und Gemeinde, auch da haben wir Hüte auf und haben Rollen zu "spielen". Als Menschen brauchen wir Freunde, und Freundschaften müssen gepflegt werden. Dazu sind wir für unsere Person verantwortlich (Gesundheit, Ruhe, Besinnung)...
Entsprechend der Vision und den Aufgaben setzen wir unsere Kräfte und unsere Zeit ein. Was tuee ich in diesem Monat für meine Vision und Lebensaufgaben, was tue ich diese Woche, was heute?

Dienstag, 27. Oktober 2009

Luther und Calvin



Calvin wäre in diesem Jahr 500 Jahre alt geworden. Wir deuttschen stehen ja stark auf Luther, den großen Reformator und Glaubensmann. Calvin ist vielen suspekt. Das mag auch daran liegen, wie Thomas Weißenborn einmal gesagt hat, dass Calvin vieles klarer durchdacht und auch gesagt hat und Luther meist eher seelsorgerlich geschrieben hat. Manches sagt man besser nicht, weil man sich unbeliebt macht, aber andererseits müssen manche Sachen aber dennoch gesagt werden.
Mich hat gereizt, mich noch einmal mit beiden zu beschäftigen. Hier ein paar Gedanken. Luther ist ja der große Angefochtene, dessen große Lebensfrage lautete: Wie kriege ich einen gnädigen Gott? Er hat dann nach Klostereintritt und intensivem Schriftstudium die Erkenntnis geschenkt bekommen: Gott ist uns gnädig und in Liebe zugewandt. Das hat ihm Sicherheit und Halt gegeben und das war seine Botschaft, die er der Welt verkündigt hat. Und diese Botschaft hat schließlich zur Reformation und Kirchenspaltung geführt.
Für Luther war künftig klar: Gott ist gnädig, er redet durch die Schrift. Andere Autoritäten (kirchliche Amtsträger wie Papst und Bischöfe oder die kirchliche Tradition) irren und können sich Gottes Reden versperren, deshalb hält er sich nur noch an die Heilige Schrift. Deren Mitte ist - für Luther logisch - Jesus Christus, der die Liebe Gottes im Evangelium verkündet und die Versöhnung mit Gott gebracht hat. Das AT wird daher auf das NT hin ausgelegt. Das Evangelium von der Liebe Gottes muss verkündet werden und durch das Wort redet Gott uns Menschen an (wie Luther es selbst erlebt hat): Der Glaube kommt aus der Predigt, wie Paulus schreibt. Unser Glaube wird durch den Heiligen Geist gewirkt. Um sich der Liebe Gottes ganz zu vergewissern, geht Luther davon aus, dass es keinen freien Willen gibt, gäbe es ihn, dann wäre das Heil von meinem freien Willen abhängig und über mein Heil stünde bis zu meinem Tod ein großes Fragezeichen, denn wer kann schon für sich selber die Hand ins Feuer legen, wer kann schon den Anfechtungen des Durcheinanderbringers widerstehen. Als gründet mein Heil in Gottes ewiger Gnadenwahl und Erwählung. Und wenn Menschen nicht zum Heil kommen und glauben, dann liegt das daran, dass Gott deren Glauben nicht wirkt.
Diee Kirche ist für Luther schließlich die Versammlung der Glaubenden, die den Glauben bekennen. Objektiv ist es die Gemeinschaft derer, die das Evangelium predigen und die Sakramente schriftgemäß"verwalten".

Calvin hat einen ganz anderen Ansatz. Er geht von Gottes Majestät und Heiligkeit aus. Wenn der Mensch über Gott nachdenkt, erkennt er zunächst seine eigene Verlorenheit als Sünder. Das macht ihm Angst, wie viele Gestalten der Bibel immer wieder erkennen. Aber Gott hart sich der Menschen in Gnaden zugewendet und rechtfertigt sie aus Gnaden. Im Gegensatz zu Luther geht Calvinb also nicht von seinen menschlichen Bedürfnissen aus, sondern von der Erkenntnis´Gottes. In Gottes Majestät liegt auch begriffen, dass Gott von nichts abhängig ist und daher entscheidet, welchen Sünder er zum Heil erwählt und wen nicht. Calvin lehrt also, ähnlich wie Luther, die doppelte Prädestination, seine Argumentation geht allerdings von Gott aus. Wie Luther kennt auch Calvin nur ddie Bibel als Autorität, das AT hat dabei eine eigene Bedeutung und offenbart Gottes Willen. Während die Gebote bei Luther nur die Sündhaftigkeit des Menschen offenbaren, sind die Gebote nach Calvins Auslegung auch zu halten. Sie zeigen den Willen Gottes, sie unterweisen den Heiligen für seinLeben. Neben der Rechtfertigung geht es für Calvin logisch um Heiligung. Der Mensch erfährt nicht nur die Liebe Gottes, er soll sich auch verändenr, indem er die Schrift studiert und sich vom Heiligen Geist verändern lässt. Während Luther Tradition nur ändert, wenn sie der Schrift widerspricht, behält Calvin nur die Tradition bei, die in der Schrift gründet.
Wenn man diese wenigen, rasch hingeworfenen Zeilen betrachtet, dann bemerken wir, wie sehr Calvin evangelikale Gemeinden bestimmt...

Dienstag, 20. Oktober 2009

Was bewegt

Heute Morgen habe ich am Kapitel Theologiegeschichte meines nächsten Buches gearbeitet. Dabei habe ich etwas neu begriffen, was auf den Blog gehört: Auf die Zeit der evangelischen und katholischen Reformation mit ihren Aufbrüchen und Umbrüchen folgt eine Zeit der Konsolidierung, in der die Lehrgebäude ausgearbeitet werden. Man spricht daher vom Zeitalter der Orthodoxie (dt. rechte Lehre), eine neue Scholastik (dt. Schulwissenschaft) bestimmt das Feld, die das Erreichte bewahren und das Denken der Gegenwart kontrollieren will. Die Anfänge liegen noch in der Zeit der Religionskriege (1570-1648), die Ausgestaltung in der Zeit danach. Innerhalb des Luthertums kommt die Lehrentwicklung mit dem Konkordienbuch 1580 zum Abschluss, es gilt den Lutheranern als Richtschnur theologischer Lehre.

Um die richtige Lehre methodisch überzeugend darzustellen, bedienen sich die evangelischen Theologen beider Konfessionen des Aristotelismus – dem Luther wie Calvin eher skeptisch gegenüber eingestellt gewesen sind.Damit spielt die Vernunft eine wichtige Rolle bei der Erforschung, Darstellung und Verteidigung der Theologie, die als rationales System ausgearbeitet wird: Das Denken gründet sich auf anerkannte Axiome (dt. „unmittelbar einleuchtendes Prinzip“), von denen Deduktionen (dt. Ableitungen) abgeleitet werden. Im Gefolge dieser Grundentscheidung für eine philosophische Denkmethode wird die Theologie akademisch und verwissenschaftlicht und entfernt sich von einer an der Heiligen Schrift orientierten Theologie. Das Interesse der Theologen gilt daher nicht mehr dem geschichtlichen Heilsereignis, sondern eher allgemeinen Prinzipien, denen man sich durch metaphysische und spekulative Fragen nähern möchte. Die Theologie verliert damit ihre Dynamik und wird statisch.

Erst als die Theologie die Bibel neu entdeckt (z.B. Spener, Francke), kommt wieder Dynamik auf, wird auch das Allgemeine Priestertum neu belebt.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Buchmesse Frankfurt 2009

Wieder soweit: In Frankfurt findet die Buchmesse statt – im zweiten Jahr ohne Francke. Das spart viele Kräfte und Kosten. An unseren Messestand kamen immer weniger Fachbesucher, dabei stiegen gleichzeitig die Umsätze sehr deutlich.
In diesem Jahr habe ich den Eindruck, dass es auch nicht anders geworden ist, Buchhändler sind rar. Viele haben wenig Zeit für die Messe, die Anreise ist weit, der Aufwand groß. Der Bereich der christlichen Verlage ist sehr dünn geworden – und wird auch nur wenig besucht. Brckhaus und Hänssler (SCM) und Gerth Medien sind räumlich aus dem christlichen Sektor abgewandert, sie wollen Impulse in die Gesellschaft tragen und mischen daher woanders mit. Andere Verlage sind in deren Umfeld geblieben. Brunnen kommt selbst gar nicht mehr und die Auslieferungsverlage von ChrisMedia haben einen kleinen Gemeinschaftsstand. Von den größeren Verlagen halten noch Kawohl und St. Johannes die Stellung, dazu ein paar der Kleineren. In unmittelbarer Nähe finden sich dann eher esoterische Verlage oder solche aus anderen religiösen Kontexten.
Was dann auf der Messe geschieht? Na, zum einen trifft man hier viele Leute; als Kontaktort ist die Messe klasse. Insbesondere in Halle 8 sind die internationalen Verlage am Start, dort werden Rechte von Büchern gehandelt, dort kann man den Markt der Zukunft studieren. In gewisser weise ist das natürlich auch bei den deutschen Verlagen beobachtbar: Was haben die für neue Trends? Wie sind die im Vergleich zu uns? Hier trifft man auch die Konkurrenten.
Meinen Lieblingskonkurrenten habe ich jedenfalls getroffen: David Neufeld, der den Neufeld-Verlag gegründet hat. Er bringt immer mehr Bücher, die mich persönlich inspirieren und weiter bringen. Abgesehen von Francke ist das der Verlag. Wirklich. Das kann man ja auf meinen Blog studieren.
Und dann trifft man natürlich auch die richtigen Konkurrenten, freut sich über deren Erfolge, staunt über deren Mut – und manchmal ärgert man sich auch, dass man diesen Titel nicht gewagt hat.
Und nächstes Jahr? Vielleicht gehen wir ja mal wieder hin.