Dienstag, 4. April 2017

60

Ende Januar habe ich ihn gefeiert, meinen 60. Geburtstag. Und es war ein sehr schönes Fest im Kreise der Familie, von Freunden und Begleitern.  So ein Geburtstag stellt ja tatsächlich einen Meilenstein dar, lädt zum Erinnern und Reflektieren des bisherigen Lebens ein. Daraus ist am Ende ein Lebensbuch geworden, über Kindheit, Jugend und die weiteren Lebensabschnitte. Mein Sohn hat Wegbegleiter und Freunde darüber befragt, was denn an mir auffallend sei. Herausgekommen ist diese Wortwolke, in dessen Mitte ich als Familienmensch beschrieben werde. Das hat mich zunächst überrascht, hatte ich doch mit "kreativ", "Bücherwurm" oder "belesen" gerechnet. Aber Familienmensch?
Und doch stimmt gerade das ziemlich gut, aber dieser Bereich der Wahrnehmung ist vielleicht gerade, weil er so ausgeprägt war, verschwommen und unklar.
Konnte ich mir als Kind nicht richtig vorstellen, dass das Leben mit 40 noch etwas Interessantes sein kann, so weiß ich seit ich 50 geworden bin, dass es jetzt erst interessant wird! Nun also 10 Jahre hinzu. Das macht die nächsten Jahre sicher auch spannend.

Religion

Religion dient vielen bei der Suche nach sozialer Ordnung und manchmal auch zur Selbstbestätigung. Und Religion hat immer schon Menschen Hilfestellung in dieser Hinsicht gegeben. Aber darin geht Religion nicht auf. Das beschreibt nur die äußere Seite. Eigentlich geht es um die Rückbindung an Gott. Und wer da angedockt hat, für den geht es nicht mehr um Selbstbestätigung und soziale Ordnung. Religiöse Gestalten wir Mose, Jesus und Teresa von Avila sind ja nicht für ihre Ordnungsliebe bekannt. Sie verströmen Leidenschaft, Hingabe und sie stellte Ordnungen in Frage!
Natürlich liegt es an Gottes Geist in ihnen, an ihrer Spiritualität. Sie sind mit Gott ganz anders verbunden wie andere, die sich um Frömmigkeit mühen. In der Verbindung mit Gott hört das eigene Mühen auf, endet das Streben nach Vollkommenheit. Wenn Menschen sich mit Gott einen, kann es etwas Vollkommeneres geben? Wohl kaum.
Aber gleich muss ich mich korrigieren, geht die Aktivität nicht von Menschen aus, sondern von Gott. Mose hat den brennenden Dornbusch sicher nicht gesucht. Er war plötzlich und unerwartet da. Und er öffnete sich dem Phänomen, trat hin und wurde transformiert. Das klingt mystisch. Gewiss. Begegnungen mit Gott gehen immer von Gott aus, sind letztlich ein Geheimnis, das sich erschließt.

Montag, 26. September 2016

Persönlichkeit und Gruppe

Wenn wir die vier Grundformen von Persönlichkeiten betrachten, können wir sie uns auch in einem Achsenkreuz vorstellen, in dem sich Nähe und Distanz, Dauer und Wechsel gegenüber stehen.
Interessant wird es in einer Gruppe, wenn sich nun Menschen mit unterschiedlichen Ausprägungen begegnen.


In jeder Gruppen treffen sich Menschen mit unterschiedlichen seelischen Heimatgebieten und entsprechend verschiedenen Bedürfnissen, Werten und Prinzipien.
























Persönlichkeitsstruktur



Fritz Riemann hat vier Persönlichkeitsstrukturen herausgearbeitet, die auf vier Grundformen der Angst basieren und menschliches Verhalten bestimmen.
Distanz
Angst vor der Selbsthingabe und Abhängigkeit, Suche nach Unabhängigkeit, Autonomie und Freiheit. Probleme: Herrschsucht, Respektlosigkeit. Typischer Beruf: Ingenieure, Erfinder und Entdecker, Bibliothekar
Lebensmotto: „Jeder für sich!
Wechsel
Angst vor Unfreiheit und Festlegung, Suche nach Veränderung, Wandel und Abwechslung. Probleme: Oberflächlichkeit, Geltungsstreben, Eitelkeit. Beruf: Schauspieler, Politiker, oft auch Erfinder und Evangelisten
Lebensmotto: „Mir ist danach!
Nähe
Angst vor ihrer Selbstwerdung und Isolation, Suche nach Geborgenheit, Harmonie und Miteinander. Probleme: Hörigkeit, Unselbständigkeit. Typischer Beruf: Erzieher, Lehrer, Gesundheitspflege, Berater, Pfarrer.
Lebensmotto: „Ich für dich, du für mich!
Dauer
Angst vor Veränderungen und Chaos, Suche nach Sicherheit und Ordnung. Typischer Beruf: Verwaltungsbeamte, Buchhalter, Korrektoren, Kontrolleure, Richter
Lebensmotto: Das gehört sich so!
In Reinform werden wir den Persönlichkeitsstrukturen kaum begegnen, meist vermischen sich die vier Formen unterschiedlich: Manches ist stärker, manches schwächer ausgebildet. Insgesamt erscheint jedoch eine Struktur im Vordergrund zu stehen, sie bestimmt dann Denken, Fühlen und Handeln. Viele unserer Gaben und Fähigkeiten zeigen unsere Grundstruktur, genauso haben wir alle unsere Schattenseiten.
Auch wenn es keine reinen Typen gibt, haben die meisten Menschen ihr Heimatgebiet: Hier erleben sie Abgrenzung (zwischen Nähe und Distanz) und Berechenbarkeit (zwischen Dauer und Wechsel), wie es ihnen gemäß ist. Dabei handelt es sich nicht um einen Punkt, sondern um eine Fläche. Jenseits unseres Heimatgebietes gibt es Bereiche, die uns unzumutbar, fremd, inakzeptabel erscheinen. Diese Intoleranz versuchen wir mit vielen guten Gründen zu rechtfertigen. Viele werden regelrecht „missionarisch“.

Zeit-Balance-Modell

Was macht uns Stress? Sicher gehört ein unausgeglichener Lebensstil zu den wichtigsten Stressmakern. Viele denken daher über den guten Ausgleich von Stress an der Arbeit und unserem richtigen Leben nach. Das erscheint schön und gut, aber es ist ja oft nicht nur die Arbeit, die Stress auslöst. Das können auch Krankheiten in der Familie sein oder Aktivitäten im Verein oder in der Gemeinde.


Wem der Ausgleich von „Work“ und „Life“ zu grob vorkommt, fragt vielleicht nach dem Schönen und Entspanntem in seinem Leben. Ein interessanter Kompass (nach Seiwert/ Peseschkian) könnte so aussehen: Wieviel Zeit setzen wir für diese Bereiche ein? 
Erfahrungsgemäß fordert der BEruf seinen Tribut, zu Beginn beruflicher Tätigkeit bleibt oft die Achtsamkeit für den Körper auf der Strecke, ein Grund für späteren Stress, wenn wir mit Übergewicht oder Ä. zu kämpfen haben. Manche achten auch nicht gut auf ihre Kontakte - später merken sie dann, dass sie u.U. sterneneinsam geworden sind. Kontakte müssen wir pflegen, soplange wir sie haben. Ganz ähnlich ist es mit der Frage nach dem Sinn unseres Lebens oder nach dem Glauben. Haben wir als Jugendliche noch ein riesiges Zeitfenster dafür, schwindet es oft dahin. Man beobachte dazu einmal, welche Altergruppen etwa in christlichen Gemeinden ausfallen!

Körper
Gesundheit, Ernährung, Sport, Erholung, Entspannung


Sinn
Glaube/Religion, Selbstverwirklichung, Auftrag, Liebe, Zukunft



Zeit-Balance
Arbeit, Leistung
Karriere, Geld, Wohlstand, Erfolg

Kontakt
Freunde, Familie, Zuwendung, Anerkennung


Dazu könnte man sich Zeit nehmen, um sich zu überlegen, welche Veränderungen man vornehmen muss, um zu einer Balance zu kommen. 

Vielleicht können die folgenden „guten Vorsätze“ eine Hilfe sein:
1.      Körper: Ich achte auf gesunde Ernährung, mühe mich um regelmäßige Bewegung. Mein persönliches Normalgewicht soll am 1.9. bei ??kg liegen!
2.      Arbeit: Ich arbeite an meinem Selbstmanagement, plane schriftlich und spreche Aufgaben mit Kolleginnen ab.
3.      Beziehungen: Ich treffe mich regelmäßig mit Freunden. Und rufe wöchentlich (monatlich) Freunde an, die nicht am Ort wohnen.
4.      Sinn: Sonntags bin ich für Gott, für mich und meinen Partner (meine Familie) da; ich besuche einen Gottesdienst. Täglich lese ich in der Bibel und nehme mir Zeit zum Gebet für Familie, Kollegen und Menschen, denen es nicht gut geht.

Rollen des Lebens

Im Laufe unseres Lebens übernehmen wir verschiedene Rollen, sie fordern uns alle mehr oder weniger. Während etwa der Beruf durch die geforderten Arbeitszeiten klar regelt, was von uns erwartet wird, ist das in anderen Lebensbereichen wie Partnerschaft oder Familie nicht ganz klar.
Es ist daher hilfreich, dass wir uns zunächst einmal klar werden,welche Rollen haben wir übernommen?Dann haben wir zu überlegen:

Wie stelle ich mir für jede dieser Rollen meine Verantwortung vor?
Neben den festen Rollen (Partnerin, Beruf, Freund, Gemeindemitglied) haben wir manchmal auch projektartige Rollen, die uns stark fordern: berufliche Weiterbildung, leitende Mitarbeit in der Gemeinde…
 

Für jede Rolle lohnt es sich, ein Leitbild zu verfassen: Was gehört dazu? Welche Ziele verfolge ich? Wie stelle ich mir das „Zielfoto“ zum Zeitpunkt X vor?